Kooperationen als Praxismodell stehen für Ärzte hoch im Kurs

Gemeinsam sind wir stärker – eine Devise, die immer mehr unter Medizinern vorherrscht. Zu beobachten ist auch eine aufblühende unternehmerische Denkweise: Eine Arztpraxis muss vor allem in überversorgten Regionen dem Wettbewerb standhalten und für Patienten attraktiv sein – so zum Beispiel durch längere Öffnungszeiten, ein breiteres Leistungsportfolio oder auch durch ausbleibende Praxisschließungen während der Urlaubssaison.

Für einen allein ist das kaum zu stemmen. Aus diesem Grund dient der „Einzelkämpfer“ allmählich aus, stattdessen stehen die Zeichen auf „Kooperation“. Die Effizienz von Zusammenschlüssen begeistert insbesondere junge Ärzte immer mehr. Teamarbeit hat viele Vorzüge: Man teilt sich Kosten, nutzt eine gemeinsame Infrastruktur und ergänzt sich einander in den Fachgebieten. Ein Teil der Mannschaft plant den Urlaub im Herbst, der andere im Sommer, so bleibt de Praxis auch während der üblichen Urlaubszeiten geöffnet und Patienten sind nicht auf Vertretungsärzte angewiesen. Schließen sich verwandte Disziplinen zusammen, muss der Patient mit seinen Beschwerden nicht zum nächsten Spezialisten reisen, sondern klopft im Sprechzimmer nebenan.

Freiheit ohne Risiko

Junge Mediziner scheuen sich zudem vor dem Aufbau einer eigenen Existenz direkt nach dem Studium. Sie legen Wert auf flexible Arbeitszeiten, verzichten dafür auf die eigene Zulassung sowie auf wirtschaftliche Risiken für die eigene Praxis und lassen sich stattdessen lieber anstellen. Zwischen 2005 und 2015 hat sich der Anteil angestellter Ärzte im ambulanten Sektor laut Kassenärztliche Vereinigung fast verzehntfacht.
Eine Befragung von Springer Medizin und der Deutschen Bank bestätigt den aufsteigenden Trend: Über die Hälfte der ca. 350 befragten Ärzte sieht in Kooperationen einen langfristigen Einflussfaktor für den Gesundheitsmarkt.

 

Verschiedene Möglichkeiten von Kooperationen

Kooperationen können Mediziner in Form von Berufsausübungs- oder Praxisgemeinschaften sowie in Form von medizinischen Versorgungszentren eingehen.

 

  1. Berufsausübungsgemeinschaft (BAG)

Mehrere Ärzte behandeln gemeinsam ihre Patienten. Räumlichkeiten, Mitarbeiter und Ausstattung werden gemeinschaftlich genutzt – an einem oder auch an mehreren Praxisstandorten. Mitglieder einer BAG können sich als GbR, PartGG oder GmbH (berufsrechtlich abhängig) formieren,

haften jedoch persönlich für ihre Patienten, aber geschlossen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Wer als Vertragsarzt Teil einer BAG werden möchte, benötigt hierfür die Erlaubnis des Zulassungsausschusses. Privatärzte müssen die Mitwirkung im Regelfall nur bei der jeweiligen Ärztekammer melden. Berufsausübungsgemeinschaften können an einem Standort, aber auch überörtlich geschlossen werden.

 

  1. Gemeinschaftspraxis versus Praxisgemeinschaft

Diese Kooperationsmodelle klingen ähnlich, bedeuten jedoch insbesondere unter rechtlichen Aspekten etwas Unterschiedliches.
Während die Gemeinschaftspraxis eine Unterform der BAG ist, also alle Ärzte gemeinsam behandeln und gegenüber der KV haften, stellt die Praxisgemeinschaft lediglich eine organisatorische Größe dar. Hier werden nur die Kosten für Infrastruktur und Personal geteilt, nicht aber die Patientenbehandlung und die Haftung. Der Arzt innerhalb einer Praxisgemeinschaft bleibt eigenständig. Dementsprechend ist als Rechtsform für diese Kooperation einzig die GbR möglich. Werden gemeinsam Investitionen getätigt, entsteht auch eine gemeinsame Haftung – aber nur dann.
Analog dazu können sich Ärzte auch Technik oder Labor teilen und als Apparate- oder Laborgemeinschaft agieren.
Eine weitere Unterform der BAG ist die Teilgemeinschaftspraxis. Hier werden gemeinsam einzelne medizinische Leistungen gemeinsam erbracht und abgerechnet. Darüber hinaus bleiben die Ärzte jedoch autark und praktizieren individuell in ihren eigenen Räumen und ihrem kompletten Portfolio.

 

  1. Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)

Selbstständig ohne wirtschaftliches Risiko oder auch angestellt arbeiten: Beides ist im MVZ möglich. Von einem solchen Zentrum spricht man, wenn mindestens zwei verschiedene Fachärzte vertreten sind. Geleitet werden MVZ von einem zugelassenen Vertragsarzt. Mediziner, die sich beteiligen möchten, müssen nicht zwangsläufig auch finanzielle Teile erwerben, sondern können angestellt oder auch selbstständig praktizieren. Das wirtschaftliche Wagnis obliegt dem Träger des MVZ. Seit 2012 dürfen dies zugelassene Krankenhäuser, gemeinnützige Institutionen (von der gesetzlichen Krankenkasse zugelassen oder ermächtigt) sowie Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen sein. Apotheker, Sanitätshäuser oder andere Leistungserbringer des Gesundheitsmarktes sind seit der gesetzlichen Neuregelung als Träger eines MVZ ausgeschlossen. Rechtlich kann sich eine solche Einrichtung als GmbH, Genossenschaft oder Personengesellschaft organisieren – untersagt ist die Organisation als Aktiengesellschaft (AG).

 

  1. Zweigpraxis

Die Zweigpraxis ist Insbesondere für die Nachfolgethematik interessant: Sie ermöglicht niedergelassenen Ärzten den Betrieb einer Praxis an maximal zwei weiteren Standorten. Voraussetzung ist, dass die Versorgung der Hauptniederlassung nicht leidet und die Zweigpraxis die Versorgung der Region optimiert.