Im Interview: Erfolgreicher Unternehmensverkauf in der Insolvenz

Beratungsverbund ABG-Partner begleitet M&A-Transaktion eines mittelständischen Werkzeugbauers

Muss in der Insolvenz ein neuer Investor gefunden werden, ist der Druck für die Beteiligten hoch: Der Handlungsspielraum ist eng und viele Transaktionen scheitern. Im Falle des Mittelständlers KS Werkzeugbau ist es dem Beratungsverbund ABG-Partner gelungen, das insolvente Unternehmen an die Werkzeug- und Formenbau Willy Sutter GmbH zu verkaufen und den Standort zu erhalten – ein Erfolgsbeispiel. Simon Leopold, Geschäftsführer der ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG berichtet der Restart-Redaktion über den Ablauf des Verkaufsprozesses.

Nach mehr als 30 Jahren musste die KS Werkzeugbau GmbH & Co. KG am 1. Dezember 2015 Insolvenz anmelden, was war passiert?

Leopold: Als Spezialist für die Konstruktion und Herstellung von Spritzgusswerkzeugen geriet das fränkische Unternehmen vor allem durch den Wegfall eines Großkunden in wirtschaftliche Schieflage. Wie in den meisten Fällen waren auch hier Managementfehler für die Krise verantwortlich. Man hatte sich zu sehr in die Abhängigkeit von einigen wenigen Kunden begeben, gezielter Vertrieb und Marketing fanden kaum statt. Als ein Großauftrag wegbrach, konnte der fehlende Umsatz so schnell nicht ausgeglichen werden, denn im Werkzeugbau sind die Vorlaufzeiten der Projektvergabe meist sehr lang.

Gab es eine Chance für einen Neuanfang am Unternehmensstandort?

Leopold: Wir erhielten vom vorläufigen Sachwalter den Auftrag, einen Investor zu finden. Der Standort mit seinen Arbeitsplätzen sollte erhalten bleiben. Der Geschäftsbetrieb lief zunächst weiter, doch der Zeithorizont war sehr eng. Da das Unternehmen zum Zeitpunkt der Insolvenz bereits Lohnrückstände hatte, standen uns lediglich zwei Monate Insolvenzausfallgeld für die Mitarbeiter zur Verfügung – danach drohte die Schließung. Zudem war es Anfang Dezember und somit kurz vor Weihnachten. Das sind nicht gerade ideale Rahmenbedingungen für eine kurzfristige Investorensuche, doch wir nahmen die Herausforderung an.

Wie läuft so ein Verkaufsprozess in der Praxis ab?

Leopold: Wir erarbeiteten zunächst ein Verkaufsmemorandum und führten eine Marktanalyse durch, um potentielle Investoren herauszufiltern. Zusätzlich setzten wir auf eine unterstützende Öffentlichkeitsarbeit mit Pressemeldungen und Social-Media- Veröffentlichungen, die wir im Verbund über die ABG Marketing abbildeten. Ziel war die kurzfristige Akquisition eines strategischen
nvestors, der im Idealfall einige Aufträge für die Grundauslastung mitbrachte. Mögliche Interessenten sprachen wir gezielt an. Innerhalb kurzer Zeit konnten wir so in erste Verhandlungen gehen.

Und wie kam es schließlich zur Übernahme durch die Werkzeug und Formenbau Willy Sutter GmbH?

Leopold: Werkzeug- und Formenbau Willy Sutter mit Sitz in Baden-Württemberg war zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem Unternehmen, um die eigenen Kapazitäten zu erweitern. Geschäftsführer Karl Maier führte bereits Gespräche mit einem anderen Betrieb bezüglich einer möglichen Übernahme als er von KS Werkzeugbau erfuhr. Das Gesamtpaket aus vorhandenem Fachwissen, technischer Ausstattung und Kundenstruktur bei KS Werkzeugbau war für ihn so stimmig, dass er sich recht schnell für eine tiefergehende Prüfung entschied und schließlich in die Verhandlungen einstieg. Im April 2016 waren wir uns dann handelseinig und finalisierten gemeinsam die Übernahme. Der Geschäftsbetrieb war damals bei KS Werkzeugbau seit einigen Wochen eingestellt, sodass Geschäftsführer Karl Maier für den Neustart einen Teil der Belegschaft zurückholte sowie ehemalige Kunden und Geschäftspartner reaktivierte. Gemeinsam war es uns gelungen, den Standort und Arbeitsplätze zu erhalten. Im Werk in Kronach liegt die Konzentration nun, analog zum Hauptsitz in Steinen, auf der Entwicklung und dem Bau hochpräziser deutscher Werkzeuge für die Spritzgießtechnik. Der Werkzeug- und Formenbauer konnte durch den Zukauf seine Kapazitäten erweitern und möchte mittelfristig in der Gruppe sieben Millionen Euro Umsatz erzielen. Die Fehler von KS Werkzeugbau wird der neue Inhaber nicht wiederholen – er setzt auf einen starken Vertrieb und eine breite Kundenstruktur in mehreren Branchen.

Vielen Dank für das Gespräch.