Einfach mal so liken – darf man das?

Prinzipiell darf man auf den diversen Social-Media-Kanälen eine Menge. Der oder die andere nutzen die Anonymität fürchterlich aus, um diskriminierende Kommentare zu hinterlassen oder eine Person einfach nur zu diffamieren. Das ist aber ein anderes Thema für einen separaten Blogbeitrag.

Durch unsere Arbeit für diverse Insolvenzverwalter bekommen wir als Agentur recht viel aus dieser „Szene“ mit. So auch die News um die Insolvenz des britischen Konzerns Thomas Cook. Diese Woche sind die sozialen Netzwerke geflutet von den Neuigkeiten rund um die Pleite: Wir sprachen mit Kolleginnen, Kollegen und Partnern darüber. Doch dann kam die Frage nach den Reaktionen in den unterschiedlichen Netzwerken auf die News auf. Darf bei solch einer doch erschütternden Nachricht munter drauf los „geliked“ werden?

Twitter, LinkedIn & Co.

Unterschiedliche Plattformen bieten verschiedene Möglichkeiten. Während man mittlerweile bei Facebook und LinkedIn nicht nur liken, sondern einen Beitrag auch mit anderen emotionalen Reaktionen versehen kann – so beispielweise „inspirierend“ oder „nachdenklich“ bei LinkedIn – bleibt bei Twitter eigentlich nur der Like. Doch was bedeutet das in dem Zusammenhang? Freut sich der Nutzer etwa über die Insolvenz und die Situation für die Reisenden und Angestellten? Oder findet er den Tweet einfach interessant?

Ist ein Like auch wirklich ein Like?

Das wirft ja die allgemeine Frage auf, was so ein digitaler Like im echten Leben eigentlich bedeutet? Ist es moralisch verwerflich, einen Tweet zu einer Insolvenz oder natürlich auch jeder anderen schlechten Nachricht, mit einem kleinen roten Herzchen zu markieren? Sollte man den Beitrag dann eher teilen, um das eigene Interesse zu bekunden? Facebook, LinkedIn und Co. haben dieses Problem bereits vor langer Zeit erkannt und durch das Schaffen neuer Reaktionsmöglichkeiten Alternativen zum Like ermöglicht. Bei einem spannenden Thema kann mal dieses also einfach „inspirierend“ oder „nachdenklich“ finden. Bei Facebook wiederum „wütend“ oder „traurig“. Bildlastige Netzwerke wie Instagram lassen die Nutzer Posts ausschließlich Liken oder Kommentieren. Stories hingegen können mithilfe der Quick Reactions auch mit unterschiedlichen Emojis bedacht werden.

Digital vs. real

Die Überschneidung zwischen unserer digitalen Realität und der „echten“ Welt ist für uns eine täglich spannende Beobachtung. Es hat uns nachdenklich gemacht und gefreut, dass aufgrund dieser Reaktion auf ein Tweet eine tatsächlich reale Diskussion über das korrekte Verhalten in sozialen Netzwerken entstanden ist. Wie wird die Zukunft aussehen? Instagram testet in einigen Ländern die Likes komplett abzuschaffen, um die Nutzer nicht mehr einer permanenten Bewertung auszusetzen. Ist das richtig? Hilft das, den Druck immer Neues und Perfektes zu posten, etwas zu verringern? Oder nimmt man damit auch irgendwie die Möglichkeit, den Erfolg von Marketingkampagnen zu messen? Welche Metriken schafft man, um den Nachhall von Influencern zu kontrollieren? Eines ist klar: Es wird weiterhin Vieles zu entdecken geben. Gemäß der Netiquette sollte man allerdings seinen Anstand nicht abgeben, sobald man sich in einem sozialen Netzwerk einloggt.